Jugend & Nachwuchsleistungssport

Nach zwei Jahren harter Arbeit war es am 29.09. endlich soweit: Das Bundesjugendlager 2018 in Heidelberg startete. Gemeinsam mit dem 2003er Kader weiblich und mit dem Delegationsleiter Joseph Kattur machte man sich am frühen Samstagmorgen von vier Standorten aus auf den Weg in Richtung Heidelberg.

An der Jugendherberge angekommen wurden die Ziele des Kaders und die Regeln sowie der Ablauf für die nächsten Tage besprochen. Anschließend hatten die Spieler Zeit, sich kurz von der Fahrt zu erholen, bevor es zum Athletiktest in den Olympiastützpunkt ging. Hier galt es für die WBV Talente, sich in Disziplinen wie Richtungswechsel, Brustweitpass, Sprungkrafttests und Sprinttests zu behaupten. Außerdem wurden die anthropometrischen Daten der Spieler – also unter anderem Körperhöhe, Gewicht und Spannweite – gemessen. Trotz der teils langen Wartezeiten hielten die WBV Spieler die Spannung und Konzentration hoch und konnten gut abschneiden. Nach einem gemeinsamen Abendessen war der erste Tag des Bundesjugendlagers damit schon beendet.

Der zweite Tag begann mit einer einstündigen Trainingseinheit im Olympiastützpunkt. Hierbei wurde viel geworfen und die eigenen sowie die gegnerischen Plays durchgelaufen. Nach dem darauffolgenden Mittagessen und dem Mittagsschlaf wartete eine ganz besondere Überraschung auf die 2004er Jungs. Zwei der Spieler, die kurz vor dem Bundesjugendlager verletzt ausgefallen sind, machten sich privat auf den Weg nach Heidelberg, um ihr Team lautstark anzufeuern und zu unterstützen. Die Jubelausbrüche der Spieler, als sie von ihren Teamkameraden überrascht wurden, waren vermutlich in ganz Heidelberg zu hören und die ein oder andere Freudenträne floss. Allein diese tolle Aktion zeigt, wie eng der 2004er Kader zusammengerückt ist, welchen Teamgeist die Jungs besitzen und was für charakterstarke, gute Jungs für den 2004er WBV Kader gespielt haben. Top motiviert und für die verletzten Mitspieler spielend, begab man sich auf den Weg zur Halle. Nach einem guten Warm-up war es um 14:30 endlich an der Zeit für das erste Turnierspiel gegen die Mitteldeutsche Auswahl. Das einzige Spiel, das gegen MDA bestritten wurde, konnte der WBV deutlich für sich entscheiden. Die Partie startete recht zerfahren, beide Teams begannen nervös und man konnte spüren, wie die Hände unter der Beobachtung der Bundestrainer zitterten. Nach anfänglichen Problemen konnte sich der WBV durch sein Markenzeichen - die aggressive Mann-Mann Verteidigung über das ganze Feld - absetzen. Zur Pause stand es deutlich 42:20 für den WBV. Nun galt es, die Intensität hoch zu halten, um MDA nicht wie in Berlin wieder herankommen zu lassen. Dieses Mal spielte der Kader das Spiel aber konzentriert zu Ende und konnte das erste Turnierspiel mit 65:46 für sich entscheiden. In der Kabine angekommen wurde den 2004er Jungs von dem mitgereisten Präsidenten Uwe Plonka sowie vom Vizepräsidenten I und Delegationsleiter Joseph Kattur zum Sieg gratuliert. Eine schöne Sache auf jeden Fall, dass Sie mit ihrer Anwesenheit uns unterstützten. Nach dem Duschen wurden dann die Mädels in ihrem ersten Turnierspiel gegen die SG Südwest unterstützt, bevor gemeinsam zu Abend gegessen wurde. Nun stand Erholen für den zweiten Spieltag auf dem Programm.

Der dritte Tag startete nach dem Frühstück mit einem Durchlaufen der Plays von Niedersachsen, dem zweiten Gegner im Turnier. Beim Landesverbandsturnier in Alsfeld konnte sich der WBV gegen Niedersachsen klar durchsetzen. Schnell zeigte sich aber, dass Niedersachsen dieses Mal kein leichter Gegner werden würde. In einem offenen Schlagabtausch konnte sich der WBV erst gegen Ende der ersten Halbzeit (10-Punkte-Führung zur Halbzeit). Wieder galt es, die Konzentration und den Fokus zu bewahren. Niedersachsen kam gut aus der Pause, aber der WBV konnte durch körperliche Verteidigung seinen Vorsprung wahren und gewann letzten Endes auch das zweite Turnierspiel mit 62:48. Erholen, essen und ausruhen war angesagt, um für das dritte Spiel des Turniers frisch zu sein.

Der Gegner im dritten Spiel lautete Bayern. Mit Bayern stand dem WBV das einzige Team gegenüber, gegen welches man noch nicht gewinnen konnte. Beim einzigen Spiel in Steinbach entschied Bayern das Spiel mit einem Punkt für sich. Der WBV wollte zeigen, dass er gegen jedes Team gewinnen kann und ging auch voller Entschlossenheit in dieses Spiel. Man merkte beiden Teams die zwei vorherigen Spiele an und sah anfangs viele Fehler sowie ein eher mäßiges Spiel. Bayern konnte sich zu Beginn der Partie leicht absetzen, jedoch bekam der WBV durch seine Defense nach und nach Zugriff auf das Spiel. Hieraus resultierten einige leichte Punkte und der WBV konnte sich bis zur Halbzeit in Führung bringen. In der zweiten Halbzeit, in welcher sich auch Spieler, die sonst nicht so viel Spielzeit bekamen, präsentieren konnten, hielt der WBV die Führung und entschied das letzte Gruppenspiel wieder für sich. 68:58 lautete der Endstand gegen Bayern. Somit ging der WBV ungeschlagen als Erster aus der Gruppenphase hervor. Nach dem Abendessen stand fest: Der Gegner im Halbfinale würde Hessen lauten. Beide Spiele in Alsfeld konnte der WBV für sich entscheiden.

Der folgende Tag begann wie immer mit dem Durchlaufen der Plays des Gegners. In der Halle angekommen machte sich der WBV konzentriert warm und war bereit für das Halbfinale. In der ersten Halbzeit zeigte der WBV einmal mehr, seine Art Basketball zu spielen: aggressive Defense gepaart mit vielen Fastbreaks. Leider führten einige Unachtsamkeiten und Pech im Abschluss dazu, dass der WBV nur mit 5 Punkten zur Halbzeit führte. Die stark spielenden Hessen kamen aggressiv und hart aus der Pause und konnten den Rückstand innerhalb kürzester Zeit in eine Führung umwandeln. Zwischenzeitlich führte Hessen zweistellig. Trotz der schlechtesten Halbzeit in den zwei Jahren, gab der WBV alles, um ähnlich wie in Alsfeld Rückstände zu drehen. Durch unglaublichen Einsatz, Willen und Teamgeist schaffte der WBV tatsächlich, den Rückstand auf vier Punkte zu verkürzen. Im Anschluss wurden viele weitere Stopps in der Defense geholt, leider konnten aber viele freie Würfe, die sonst immer fielen, in der Folgezeit nicht getroffen werden. Hessen war in dieser Zeit eiskalt und verwandelte zwei Dreier in Folge. Der WBV spielte weiter mit vollem Einsatz, konnte aber selbst gut herausgespielte Würfe und Korbleger nicht mehr verwandeln. Durch Fouls am Ende, um die Uhr zu stoppen, zog Hessen weiter davon und gewann das Spiel mit 57:46.
Somit war das selbstgesteckte Ziel das Bundesjugendlager 2018 zu gewinnen leider verfehlt. Die schlechteste Halbzeit in den vergangenen zwei Jahren besiegelten die Titelträume der 2004er Jungs. Dennoch war auch in diesem Spiel der Charakter der Mannschaft zu sehen, die trotz des Rückstandes immer an sich glaubten, sich gegenseitig unterstützten und nie aufgaben.

BJL 03w 04m 2018
Beide Kader (03w & 04m) beim BJL 2018 in Heidelberg

Viel Zeit, um der Niederlage hinterher zu trauern, gab es nicht. Bereits anderthalb Stunden nach Spielende stand Spiel um Platz drei auf dem Programm. Der Gegner hieß erneut Niedersachsen.

Vor dem Spiel baten die Spieler die Coaches, um einen Gefallen, der wieder das tolle Teamgefühl zeigen sollte. Gemeinsam berieten sich die Spieler nach dem Halbfinale und beschlossen, dass sie gerne dem 12. Mann die Chance geben wollten ein Spiel beim Bundesjugendlager zu starten. Da in diesem Spiel sowieso jeder Spieler nochmal die Chance bekommen sollte, um sich zu präsentieren und weil es eine tolle Geste der Jungs war, bekam er seinen Platz in der Starting Five. Beide Teams wollten vorrangig nochmal allen Spielern Spielzeit geben, um sich noch für eine Nominierung zu empfehlen. Niedersachsen konnte sich in diesem Spiel schnell in Führung bringen und entschied die erste Halbzeit mit +7 für sich. Trotz großzügiger Spielzeitverteilung wollte der WBV natürlich dennoch dieses Spiel gewinnen und das „kleine Finale“ für sich entscheiden. Ein letztes Mal gaben alle Spieler Vollgas und holten das letzte Fünkchen Energie aus sich heraus. Durch herausragenden Einsatz kämpfte sich das Team zurück und gewann schlussendlich Spiel um Platz drei mit 48:42.

Nun galt es zu warten und zu zittern. Um 18:00 standen die Nominierungen des DBBs an. Kurz nach 18:00 Uhr herrschte Klarheit. Sechs der zwölf Spieler des WBVs wurden vom DBB nominiert. Freude herrschte bei den Nominierten, aber auch Trauer bei denjenigen, die eine Nominierung knapp verpasst haben. Nachdem die Emotionen abgeklungen waren, aßen beide Kader mit den Coaches und Eltern ein letztes Mal gemeinsam. Dann hieß es, Abschied zu nehmen von vielen tollen Persönlichkeiten und zwei Jahren voll schöner Erinnerungen und harter Arbeit.

In zwei Jahren konnte der 2004er Kader des WBVs 17 von 23 Spielen für sich entscheiden, verlor vor dem Bundesjugendlager sogar nur ein Spiel bei den beiden vorherigen Turnieren. Leider reichte eine schlechte Halbzeit aus, um das gemeinsame Ziel zu verfehlen. Dennoch können alle Beteiligten stolz sein. Während der WBV bei „Talente mit Perspektive“ nur vier Nominierte hatte, wovon einer langfristig verletzt ist und komplett aus dem Kader ausgeschieden ist, konnte man sich beim Bundesjugendlager sechs Nominierungen sichern. Gleichzeitig werden einige Spieler in JBBL Spielen beobachtet, die die Nominierung knapp verpasst haben oder verletzt waren. Über zwei Jahre hinweg wurde ein super Teamgefüge geschaffen und eine defensive Identität aufgebaut. Leider verletzten sich in den zwei Wochen vor dem Turnier gleich drei der für das Bundesjugendlager gesetzten Spieler plus einer der Spieler auf der Ersatzliste, sodass der WBV nicht unter den besten Voraussetzungen in das Turnier starten konnte. Dennoch entschlossen sich die drei nachnominierten Spieler, ohne zu zögern zum Kader zurückzukehren und mit nach Heidelberg zu fahren, was nicht selbstverständlich ist.

BJL 04m nominierte18
Die WBV-Nominierten aus dem Kader 2004 männlich:
Von links nach rechts erste Reihe: Lukas Ehrich, Finn Pook, Finn-Luca Philipp, Aime Olma
Hintere Reihe: Finn Döntgens und Rikus Schulte

An dieser Stelle möchten sich die Coaches, Razvan Munteanu und Timo Schön bei allen Spielern für ihren unermüdlichen Einsatz und viele schöne Erinnerungen bedanken. Durch ihre intensive Arbeit haben sie dafür gesorgt, dass wir uns auf jeden Lehrgang gefreut haben. Außerdem gilt der Dank den Eltern, die viel Freizeit opfern mussten, um die Kinder zu den zahlreichen Lehrgängen zu fahren. Des Weiteren bedankt sich das Trainerteam bei den Physiotherapeuten Jörn Buchmüller und Linda Dirlam, welche hervorragende Arbeit geleistet haben. Vielen Dank ebenso an Jörg Brachter und Anne Kaiser für die Planung und Abrechnung zahlreicher Lehrgänge sowie die vielen anderen helfenden ehrenamtlichen Hände des Westdeutschen Basketball-Verbands, die diesen Kader jederzeit unterstützt haben. Zuletzt natürlich noch einen Dank an die Geschäftsstelle für zahlreiche Telefonate und Unterstützung in jeglicher Form.
Danke an alle Beteiligten für zwei tolle Jahre!

Razvan Munteanu